WM 2010 – KEIN SOMMERMÄRCHEN!
Donnerstag, den 29. Juli 2010 um 10:43 Uhr
Aber ein unvergessliches Abenteuer – zumindest aus meiner Sicht.
Liebe Leute, war die WM für meine Gedächtniszellen ein Overkill! Wahnsinnig, sensationell, aufregend, man oh man. Immer noch liegt mir das Gedröhne der Vuvuzuelas in den Ohren. Aber genau die Vuvuzelas, einige lausig-kalte Nächte sowie ein paar vorsinnflutliche Küchen runden auch schon die negativen Erfahrungen ab. Gut, es war knüppelharte Arbeit und die langen Wochen zehrten schon einige Male am Nervenkostüm. Wenn man allerdings die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Titel kochen will, dann war das auch zu erwarten.
Ach so, was mir an Südafrika auch nicht gefällt: die Kluft zwischen megareich und bettelarm. Kennzeichnend dafür bleiben die Mauern, Zäune, Stacheldraht, Überwachungskameras und und und...in negativer Erinnerung. Zum weinen!
So, nun aber zu den positiven Eindrücken. Zumindest versuche ich meine Eindrücke zu schildern, aber ganz wird mir das nicht gelingen. Irgendwo sind die ja auch einfach das, was mir ganz allein bleiben wird.
Als erstes sind es wohl die Menschen. Die farbigen Menschen, die für mich zu Kollegen und Freunden wurden. Unbeschreiblich. Jeder von Ihnen erzählt eine Geschichte, ohne, dass sie je etwas sagen würden. In den meisten Fällen, will man die Geschichte auch gar nicht erzählt bekommen. Sie waren unermüdlich, fleißig und haben immerzu eine so ausgeprägte positive Grundstimmung, dass mich das wohl ein großes stückweit für mein Leben geprägt hat. Nach anfänglicher Scheu waren sie alle so herzlich. So gastfreundlich, dass man sich zugehörig fühlte. Ich glaube sie haben mich und mein Team aufgenommen, ja sogar richtig akzeptiert. Und das ist nicht selbstverständlich, denn wir sind weiß und die Geschichte der Apartheid ist immer noch zu präsent! Ich halte heute noch Kontakt und versuche einigen von ihnen vielleicht eine Ausbildung in Deutschalnd zu ermöglichen.
Diese Menschen haben mich bewegt. Wohl noch vor allem anderen, bleibt das mein positivster Eindruck. Denn es sind doch die Menschen, die ein solchen Event unvergesslich machen.


Und da wären wir auch schon bei einem weiteren ganz wichtigen Menschenkreis: unseren Spielern. Ihr habt das alle gespürt. So hab ich's auf jeden Fall erzählt bekommen. Ja, es stimmt! Da ist was geschehen. Was ganz Besonderes. Was Einzigartiges. Eine Verbindung! So ein Team, so unprätentiös, so positiv einfach, so sympathisch, lustig, fleißig, qualitätsbewusst, kollegial – so ein Team hab ich wochenlang bekochen dürfen. Es sind Menschen wie Du und ich, aber das leuchtet einem ja durch den Rummel gar nicht erst ein. Das muss man erleben dürfen. Ich durfte es. Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, würde ich nochmal umschulen! Diese Männer würde ich als Freunde & Kollegen haben wollen. Danke Miro, Bastian, Philipp, Poldi, Arne, und und und .....








Dann werde ich nie die Fahrten in und aus den Stadien vergessen. Das war wie ein unglaubliches Himmelfahrtskommando – in positiver Hinsicht! Mit guten Absichten im Gepäck. Wir wurden nicht gefahren, wir wurden getragen – von dem Zuspruch und der Begeisterung der Afrikaner und natürlich unserer Fans überall auf dem Globus.
Oder die schönen Abende mit meinen Kollegen aus dem Betreuerstab. Da höre ich als Youngster Geschichten von vergangenen Zeiten und höre begeistert zu. Oder die vielen Fahnen im ganzen Land, die Hilfsbereitschaft, die unglaublich schönen Stadien – und ja, auch die holprigen Straßen und die zum Teil klapprigen Behausungen, die alten Autos, die dort alle noch oder wieder zu sehen sind, der Himmel, der die Farben der Welt wiederspiegelt, die Geräusche um 5 Uhr früh, die hemmungslose Neugier der Afrikaner, der Stolz eines Landes. All das und noch viel mehr, wird mir immer bleiben. Das ist das, was zählt. Daher trauere ich dem Titel nicht mehr hinterher, aber sage auch ganz deutlich: Die nächsten Jahre und Titel gehören unserer Mannschaft!
Und das noch zum Abschluss: Ich habe ja nun eine EM und eine WM begleiten dürfen. Die EM war schon Sensation, aber eine WM – das ist was ganz ganz unbeschreiblich Großes!
Ich möchte mich auch bei all den Lesern bedanken. Ernährt Euch richtig und wenn Ihr nicht wisst wie, dann beschäftigt Euch damit – ich stehe Euch gern mit Rat & Tat bei. Denn die Ernährung ist der Kraftstoff Eurer Zellen und die sollen Euch doch meisterlich bis in hohe Alter begleiten!
Und zum Abschluss noch die letzten Impressionen von der Abreise aus Südafrika.



Danke
Euer
Holger Stromberg
WIR KÖNNEN ALLE STOLZ SEIN!
Samstag, den 10. Juli 2010 um 16:18 Uhr
Neben dem Bauchgefühl war auch so alles anders...Vom einzigen Herd, in der winzige Küche des Riverside Hotels, funktionierten nur noch zwei Gasflammen. So begann das Töpfeschieben.

Ich habe alles nochmals hinterfragt und mir konnte an dem Tag nichts gut genug sein. Ich war gekidnappt von meinem Bauchgefühl. So war auch das Gemüse und vor allem der Salat – einfach nix. Ich schnappte mir 'nen Fahrer und fuhr zu einem Lebensmittelmarkt. Dabei fiel mir auf, das das Wetter echt mies war und die Straßen so viel ruhiger als sonst. Ich war wahrscheinlich etwas hypersensibel, aber so ist es mir eben nun mal alles vorgekommen.

Und da, zum Glück ein Fahnenverkäufer mit einer deutschen Flagge! Aber was sah ich beim zweiten hinschauen, die Spanische rechts auf dem Gehweg war größer als die Deutsche. Und schon wieder durchfuhr ein kleiner Blitz meinen Magen.

Endlich angekommen im Markt, kaufte ich alles was gute Laune machte und eine positive Kraft auf unsere Spieler verleihen sollte....



....bunt, fröhlich, knackig, abwechslungsreich, energiereich, etc.pp. Alles eben Attribute, die auch auf dem Büffet in die Augen der Spieler springen sollten. Ihnen Kraft verleihen sollten.



...und permanent an meiner Seite, meine Leibgarde der Polizei. Auch irgendwie komisch, aber sie wollten es so. Die werden sich auch ihren Teil gedacht haben!

Auf dem Rückweg, wieder dieses triste Wetter und dann noch diese Fahrzeugnummer 47 im Fenster! Habe ich schon mal erwähnt, dass bei mir alles durch 3 oder 5 teilbar sein muss. Wieder ein Blitz in der Magengegend.....





Wieder angekommen im Hotel, ging's ans Ausladen. Der sehr nette Fahrer half mir dabei und lächelte nett. Aber lächelte er siegessicher? Rumms und schon wieder ein Ziehen im Magen.

Weiter ging es mit den Vorbereitungen, wie hier zum Beispiel mit dem Vorkochen und Abschrecken der Nudeln für's Stadion. Die Mahlzeit nach dem Spiel.

Alex und ich machten gute Stimmung um uns Mut zu machen...


...unser Küchenwitzbold versuchte auch uns zu erheitern. Hatte er schon was gewusst?


Nein, nein, nein, die Chefin des Hauses sagte: Ihr nehmt den Cup ganz sicher mit nach Deutschland. Ganz sicher. An diesem Satz klammerte ich mich den ganzen Tag fest. Sie müsste es doch wissen. Sie ist Inderin und hatte ihr drittes Auge (zwischen den Augenbraunen. Damit sieht man Dinge, die man mit den Augen eben nicht sehen kann) mit einem Schmuckstück. Sie musste es einfach wissen, sicher!
Dann habe ich aufgedeckt...Weltklasse klare Ochsenschwanzsuppe

Kürbis-Ingwersuppe

Geschwenkte Pasta mit viel Basilikum. Basilikum wird auch Königskraut genannt. Und ich wollte Könige am Ende des Worldcups bekocht haben...

Klar, darf nicht fehlen: Spaghetti mit Bolognese und Tomatensauce...


Saftiges King-Klip-Filet...

Gegrilltes Rinderfilet auf gebackenem Kürbis...

Viiiel Gemüse...

Basmatireis...

Kartoffelpüree....aber unsere Deutschen Kartoffeln sind unschlagbar. Darauf freue ich mich schon wieder, nach unserer Rückkehr...

Salat, Bruschetta's und die Standards....


Ganz klar Milchreis und Grießbrei! Daran lag es also nicht...!

Meine Milchreisportion mit Zimt-Zucker, Blaubeerkompott, Trauben und Kapstachelbeeren...

Feinster Kaffee von Nespresso...

Die Mannschaft ist fertig zur Abfahrt. Auch diesmal alles irgendwie anders. Mein Auto trug nun die Nummer 5, sonst bin ich immer mit der Nummer 3 ins Stadion gefahren worden. O.K. – 5 ist meine "Superzahl", aber es war eben anders.

In der Kabine checkte ich dann die Warmhaltebehälter in denen ich nach der Halbzeitpause die Nudeln langsam erwärmen wollte. Aber es fehlte die Hälfte des Equipment. Bereitgestellt durch einen Deutschen Stadion-Caterer! Frechheit und irgendwie wieder komisch und bumms, dieses Magengefühl.


Dann kam Thomas in die Kabine und sagte voller Überzeugung: Und jetzt hauen wir die Spanier weg! Ich war in einem nu beruhigt und dachte mir, ja – diesmal gehört der Cup uns! Keiner kann ihn uns nehmen. Schon gar nicht dann die Holländer im Endspiel. Keine Zweifel. Das muss doch so sein.

Dann die Fans und der Kreis der Spieler vor Anpfiff. Ich war ganz ruhig, ich vertraute einfach dieser supergeilen Mannschaft. Sie würde es schon machen und meinem Magengefühl einen Arschtritt verpassen.

Am nächsten morgen musste ich mich weiter von dem Gedanken "Weltmeister" verabschieden. Das war gar nicht so einfach, kann ich Euch sagen. Ich packte einfach meine Kamera und machte ein paar Bilder als Andenken an die geile Zeit, dann packte ich meinen großen Koffer. Wohl nur, um mir selbst zu zeigen: es ist vorbei, wir können es nicht rückgängig machen, es hat niemand an der Uhr gedreht. Wir haben verloren.



Dann am Donnerstag Abend sah ich in den wunderschönen afrikanischen Himmel und hatte es verdaut. Von dem Zeitpunkt war ich einfach nur noch stolz. Auf die Mannschaft, auf die Südafrikaner, auf unsere Fans zuhause, auf meine Kollegen, auf mich. Unsere Mannschaft hat den besten Fußball des Tunieres gezeigt und uns soviel Freude bereitet. Nicht nur auf dem Platz! Eine Sensationstruppe! DANKE dafür.

Nun, es ging dann auch gleich weiter. Freitag 5.45 Uhr auf nach Port Elizabeth: Vorkommando.



Empfangen von rhytmischen Klängen und super Wetter, war die meine Stimmung wiedererwacht.


Nachdem ich das Hotel betrat und die Küche inspizierte, der nächste "Aufheller". Brot von einem Deutschen Bäcker! Knusprig! Spitze....

....der Blick aus meinem Zimmerfenster. Sonne, Meer, Strand und, und.....und unser Bus. Dirket vor meinem Fenster. Und, und....und – STOLZ!


Und dann war die Laune auch wiedergekehrt: Alex und ich, vor unserem Bus am Pool. Zeit zum reinhüpfen? Leider nicht.

Das Protea Marina

...die Strandpromenade

...der Strand, das Meer,...


...der Selbstauslöser

Die Natur...





...glückliche Menschen




Und, und......und eine "Currybude" ;-)

Ich natürlich sofort hin, aber nix los. Dennoch schon kultig, das Hängerle.

...vielleicht übernehme ich das Hängerle ja irgendwann und mach ne "Cuury73" draus. Potezial ist hier am Strand und nix wird den Gästen geboten.





Gegen 14 Uhr kam dann unser Truck mit Kaffeemaschine, Gewürzen, Essigen etc. an (natürlich hatte der Truck auch auch ganz viel Fußball-Zeugs an Board !)



Mittagspause! Nach dem Burger war das Spanienspiel dann auch endgültig verdaut.

Und hier noch ein paar Impressionen vom heutigen Abendessen.....












Als das Büffet gerade aufgebaut war, kam die Mannschaft punktgenau an. Perfekt.

So, und nun Platz 3 - BITTE !
Ihr
Holger Stromberg
SO SPIELEN CHAMPIONS!
Mittwoch, den 07. Juli 2010 um 17:32 Uhr
Grandios war der erspielte Sieg über England. Zum Spiel gegen Argentinien fehlen mir die Worte. Da kann ich mich nur unserem Trainer anschließen: So spielen Champions. Und trotzdem bleiben Sie bodenständig. Von Spiel zu Spiel denken und weiter hart trainieren. Und für uns in der Küche heißt es auch weiter so. Denn nach diesen Spielen kann ja nicht schlecht gewesen sein... ;-)
Noch einmal ein kleiner Rückblick nach Kapstadt – oder Capetown, wie es hier heißt. Die Küche war bis jetzt von allen Küchen die Größte. Ich hatte einen Schotten als mein Gegenüber (Küchenchef des Southern Sun Newlands) – er hat uns dafür geliebt, dass wir die Engländer "gedemütigt" haben :-)

Hier folgen nun die "Mit-was-schlage-ich-Argentinien"-Büffets: Natürlich Milchreis..... mit frischen Beeren. Nicht einfach aufzutreiben, denn es ist z.Zt. Winter hier, aber für diese Mannschaft bringe ich alles ran! Und es lohnt sich, wie man sieht...mittlerweile gehört Milchreis zu den Lieblingsspeisen des Teams. Man muss nur wissen, wie man ihn zubereitet. ;-)


Die Kohlenhydrate besorgen wir uns über Gnocchi mit Champignons und Rosmarin...ein wenig Italien darf ja in Südafrika bleiben – zumindest im Essen.

...dazu noch "Mixed Pasta"...















Die Fanmeile vor dem Stadion...















Wie beim letzten Besuch in Durban, ist die Küche eine große Herausforderung. Eine so kleine und schlecht ausgestattete Küche habe ich selten gesehen. Es gibt nur 2 Herdplatten, die Hälfte des Equipments ist nicht funktionsfähig. Da sollten die Kochprofis mal eine Tour durch Afrika machen...da hätten wir sicherlich viel zu lachen, wenn sie diese Küchen hier sehen. Ob sie es schaffen würden, hier etwas zu zaubern? ;-) Aber ist die Küche auch noch so klein, wir lassen uns davon nicht abhalten. Denn schließlich dürfen uns solche Dinge nicht vom vierten Stern abhalten. Und das Küchenteam ist Top! Die halten zu uns und machen alles, um die kleine Küche auszugleichen. Großes Kompliment!
Und was haben wir für das Team zum Halbfinale vorbereitet? Spaghetti "To-Bo" (Tomaten & Bolognesesauce)...was sonst?!

Der berühmte "King Klip" mit Gewürzkruste und Cherrytomaten...















Alle Hotel- und Küchenmitarbeiter in Südafrika haben schon von meinem "Spezial-Elexir" gehört. Sie halten mich hier schon für einen "Medizinmann" :-) Vielleicht verrate ich bald mehr darüber... ;-)



"I can feel it!" Can you feel it?
Holger Stromberg
DIE WURST ZUM ERFOLG
Freitag, den 02. Juli 2010 um 18:06 Uhr
Grandiose Leistungen gehören belohnt. Nach diesem Motto gab es nach dem letzten Sieg gegen England eine Currywurst. "Currywurst?" werden viele sagen... ja, denn eine Currywurst muss nicht ungesund sein. Meine Kalbsrostbratwurst ohne Geschmacksverstärker, ohne Phosphate und ohne künstliche Zusatzstoffe. Zudem noch fettarm gegrillt auf einem Lavasteingrill. Dazu Fritten in einem cholesterinfreien Rapsöl frittiert und meine selbstgemachte Currysoße, ebenfalls ohne Geschmacksverstärker oder künstliche Aromen. So gesund kann Currywurst sein: Curry73 – Die Wurst ohne Reue.
Dazu unterschiedliche Currypulver von ganz harmlos bis unglaublich scharf. Meine Freunde Jose und Björn von der Sicherheit und auch ich haben uns erstmal die Currymischung "Super-Scheisse-Scharf" gegönnt. Der "Burner" kann ich verraten. Wow!
Meine Curry-Spezialsoße kann man ab sofort auch in allen Perfetto's kaufen. Dann braucht Ihr nur noch eine gute Wurst grillen und Ihr könnt Euch auch mal selbst belohnen. Und wenn Ihr warten möchtet: meine Wurst gibt es auch bald ... ;-)





Als Dessert gab's dann noch Krokant-Balls. Auch dieses Rezept findet Ihr in meinem Buch "Pure Cooking". Lecker Vanillesauce dazu und ein Blaubeer-Kompott. Unschlagbar!

Dieses Wunderbare Straußen-Fan-Filet hat mir ein Deutscher Fan, guter Freund und Straußenfarmbesitzer für die Mannschaft zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank Bernd! Die Mannschaft ist begeistert von Deinem Fleisch. Wir haben es als Steaks, Roastbeef, Gulasch, Wok und Saté zubereitet. Mir fällt sicher noch mehr zum Thema Strauß ein. Gewinnen wir gegen Argentinien, wovon ich ausgehe, kannst Du noch ne Ladung rüberschicken. ;-)

Vorbereitung für den Tag nach Curry73: Ungarischen Rindergulasch. Der muss eine Nacht ziehen, damit er richtig gut schmeckt !

Am Mittwoch morgen sind Alex, ich und 3 weitere Betreuer des Teams hinterm Team nach Capetown aufgebrochen. 1 Tag vor Anreise der Mannschaft muss alles vorbereitet werden. Wenn die Mannschaft ankommt, sollen sich alle wohlfühlen und von vertrauten Gesichter in Empfang genommen werden.
Unmittelbar vor unserer Ankunft hat es noch geregnet. Es hatte nur 16°C, aber die Sonne kam mit uns.
Aber was sehe ich bei Ankunft auf dem Hotelparkplatz? Der Bus des Gegners. Alex hat schnell eine Idee...er verdeckt einen Zusatz und so soll es sein: "Last Stop" für Argentinien! Deutschland geht weiter...

...und als wir uns umdrehen, sehen wir auch schon unsere Mannschaftsbusse. Nicht nur in der Anzahl der Busse sind wir überlegen, auch in der Power unseres Teams!

Wer übrigens mehr über das "Team hinter dem Team" wissen möchte, dem sei die Internet-Seite http://team.dfb.de/de/team-hinter-dem-team/page/22.html?1277033170 ans Herz gelegt. Hier werden auch einmal die Personen vorgestellt, ohne die das hier alles nie so gut funktionieren würde. Großes Kompliment an alle Team-Mitglieder – und an den DFB, dass er auch die Menschen vorstellt, die hinter dem Team stehen.
Also gut, hier also unser Hotel in Capetown...natürlich nicht so abgeschieden wie unser bisheriges Quartier, aber sehr schön. Ich habe gehört, dass sich die Argentinier in Ihrem Quartier nicht so wohlfühlen sollen. Wieder ein Indiz für einen erfolgreichen Samstag. ;-)



....und nun die erste Vistite in meinem Tätigkeitsbereich. Die Küche ist blitzblank und sauber als wir sie in Augenschein nehmen, dass beruhigt schon mal meine Nerven!



Die Küche ist schon 40 Jahre alt – und die Kühlhaustür ist Zeitzeuge. Irgendwie schon wieder so cool, dass ich sie am liebsten mitnehmen würde. Wie auf 'nem alten Segelschiff.

Nach der Erstbesichtigung des Hotels und aller damit verbundenen Meetings, war endlich mal ein Abend Zeit, um uns mal etwas Südafrika und vor allem Capetown anzuschauen – der erste Tag überhaupt für uns. Hier ein paar Eindrücke von der Bay, Waterfront, dem Tafelberg, süßen Auto's, Gaucklern und meiner Glückszahl: 5 :-)










An der Waterfont, haben wir uns dann auch mal etwas kochen bzw. rollen lassen. Verdammt gutes Sushi in einem superschönen Restaurant. Zu Sushi trinkt man eigentlich Bier oder Sake, aber wir haben Stilbruch begangen und einen fantastischen Pinot Noir dazu getrunken.




Nach dem Essen waren wir dann einfach platt. Es ging also, am Riesenrad vorbei, zurück ins Hotel und ab ins Bett. Kräfte bündeln, um auf die Minute fit zu sein :-)

Mein Frühstück bestand dann am Donnerstag aus einem doppelten Espresso und einem Teller Vollkorn-Cornflakes mit Natur-Joghurt, frischer Passionsfrucht, einem Löffel Orangenmarmelade und frischem Zitronensaft drüber. "Kickstart" sage ich Euch!

Und schon ging die Deutsche Küchenmannschaft wieder ab. Hochmotiviert, unserer Mannschaft die Energie zu verleihen, die sie braucht, um dem Titel wieder einen Schritt näher zu kommen. "Keep on rocking!!!"

Deutsche Organisation:....den Plan für die nächsten Tage an die Wand und ab ging die Lucy!


Alex (ja...nu hab ich 2 Alex in der Küche), der Küchenchef vom Southern Sun, begann gleich den Pfannkuchenteig für den Kaiserschmarrn anzurühren. Er ist Schotte, daher hat er sich sehr über den Sieg unserer Mannschaft über die Engländer gefreut. Zudem hat er auch ne schwäbische Schwiegermutter, die uns für morgen Hausgemachten Schwäbischen Apfelkuchen backt. Kanns besser laufen?






Hier ein kleiner Ausschnitt:
Hühnerkraftbrühe mit Gemüsestreifen und Klößchen, Bauernsalat, Spaghettini-Salat mit Riesengarnelen, Kartoffel-Bachkressesalat, Bruschetta, Saté-Spieße, Seezunge, Reis mit rotem Curry, geschwenktes Gemüse, Penne mit Gemüse, Hühnchenbrust mit grünem Spargel und Kaiserschmarrn mit Blaubeer- und Apfelkompott sowie Vanillesauce, frische Früchte.
















Übrigens: Von Lagerkoller kann keine Rede sein. Wie ich gehört habe, wird zu Hause schon wieder über Lagerkoller spekuliert...den gibt es hier definitiv nicht. Den halten wir schön aus dem Hotel raus, der hat hier nichts zu suchen. Alle ziehen an einem Strang. Alle haben ein Ziel: den vierten Stern!
Viel Freude beim Spiel am Samstag & guten Appetit
Ihr
Holger Stromberg
HUNGER NACH MEHR
Dienstag, den 29. Juni 2010 um 07:54 Uhr
Die Vorbereitungen in der Küche nehmen kein Ende, denn es gibt laufend etwas zu tun. Denn die Mannschaft hat HUNGER und das is(s)t auch gut so. "Hunger nach mehr....." ;-)
Kein Wunder, denn schließlich möchten wir ja das komplette Team bei Laune halten. Immerhin halten wir es schon fast 6 Wochen am Stück gemeinsam aus und dabei kann die Ernährung eine entscheidende Rolle spielen...wenn das Essen nicht schmeckt oder die Spieler langsam macht, wäre das nicht sehr förderlich für den weiteren Turnierverlauf....und auch nicht für mich. ;-)


Ein Teil des Buffets vor dem Ghana Spiel: Gegrilltes Heilbuttfilet, frisches Gemüse, gebackener Butternuß-Kürbis, Kartoffelpüree, Naturreis, Nudeln mit Tomaten und Bolognesesauce....kleine Rinderfiletsteak und vieles, vieles mehr. Denn schließlich war es das erste Alles-oder-Nichts-Spiel...



Fertig zur Abreise! Ghana kann kommen. Die Fahrt zum Stadion ist immer etwas ganz besonderes für mich. Gänsehaut pur! Das entlohnt für viele viele Stunden harte Arbeit. Ich bin dann einfach in diesen Minuten "Stolz auf unser Land", das unsere Mannschaft während eines Tuniers ja schlussendlich repräsentiert. Das sind Glückmomente, das ist unbezahlbar. In den Momenten vergisst man, wie kompliziert Deutschland oft ist. Wir haben das beste Land der Welt! Und ich bin stolz darauf, ein Teil davon zu sein. Seid Ihr es auch. Seid froh und dankbar, auch wenn es mal nicht so gut läuft.
Mit im Convoi, fährt man dann immer in die Tiefgaragen.



Meine Box ist auch dabei, damit nach dem Spiel wieder umgehend Kohlenhydrate zur Verfügung stehen. Ich gehe also nach der 1. Halbzeit in die Kabine, erhitze die Behälter und fange dann spätestens ab der 75. Minute an die Nudeln warm zu machen. Ehrlich gesagt, ist das kein kulinarisches Highlight, aber es ist eben eine Mannschaftkabine und keine Kombüse!


Das Soccer City Stadion ist wirklich das schönste Stadion das ich je gesehen habe. Wahnsinn! Ich hoffe es wird Südafrika dazu verhelfen, dass Fußball neben Rugby in der Zukunft seinen platz findet oder sich gar behaupten kann. Es wäre schade, wenn in solch einem sensationellen Stadion, nicht auch eine Fußballmannschaft mit Weltruf regelmäßig spielen wird.



Angerichtet!
Das 1:0 musste lange und hart von unserer Mannschaft erkämpft werden.
Mein Gott, war ich froh!!! Du stehst in der Kabine und weißt gar nicht wo dir der Kopf steht vor Aufregung und denkst nur, Pfeif das Spiel doch endlich ab! So eine WM ist einfach nervenaufreibend ...

Großes Kompliment an die junge Mannschaft. Ein entscheidendes Spiel gegen Ghana gewonnen, das uns neue Kraft schöpfen lässt. Selbst wenn wir es spielerisch besser können, haben die Jungs Engagement gezeigt und sich tapfer in die nächste Runde. Das ist schön zu sehen, wie so eine junge Mannschaft wächst...mit jedem Spiel, mit jeder Herausforderung. Und schon wartetet die nächste Aufgabe: ein Klassiker gegen England. Auf zur weiteren Vorbereitung.
Und am Tag des italienischen Ausscheidens gab es bei uns zufälligerweise einen "italienischer Abend"! "Bravissimo"...das passte ja mal wieder.





Und los ging's wieder auf Vorreise nach Bloemfontain. Das schönste für mich hier sind die Farben des Himmels und des Sonnenuntergangs...ich hoffe das bringt Glück gegen England. Ich war wieder die Vorhut, um vor Ort alles perfekt für das Team vorzubereiten. Nichts sollte die Konzentration stören.

Angekommen in Bloem, hatte noch die Schweiz das Hotel im Griff. Wir durften aber dank des sehr kollegialen und äußerst netten Kollegen Emil Bolli aus Bern und seiner Tochter, schon nebenher für die Ankunft unserer Mannschaft vorbereiten. Wir haben auch sehr bedauert, dass Otmar Hitzfeld´s Mannen nicht weiter geschafft haben. Sorry Schwizz !



So, 8 Stunden Vollgas und das Hotel war in deutscher Manier organisiert! Alle Abteilungen die mit dem Leib und Wohl unserer Mannschaft zu tun haben, werden von mir mehrfach gebrieft, damit auch alles so ist, wie wir es gern haben. Nur keine besonderen Vorkommnisse, denn die Mannschaft ist schon bei Ankunft in voller Konzentrationsphase!


Nach dem ersten Mittagessen, wird dann relaxed. In Bloem war es ziemlich windstill und die Sonne schien.

Der Morgen vor "Spiel 51" der Weltmeisterschaft! Es sollte wieder unser Tag werden, also sind Alex und ich um 6 Uhr früh in der Küche gestanden und haben ein sensationelles Frühstück hergerichtet. Den Jungs sollte es an nichts fehlen ...




Leichtes Streching und Anschwitzen nach dem Frühstück.

Unser fleißigen "Lieschen" in Bloem. Die zwei Küchenchef haben wir nicht mit auf's Foto gebeten. Die waren faul und haben sich immer nur verdrückt. Egal, wir haben eh das Zepter in die Hand genommen. Die "Lieschen" wollten uns gleich dabehalten!


Dann bei den Crostini's gegen 12 Uhr hab ich noch an's Foto machen gedacht. Anschließend mit voller Konzentration und etwas nervös haben wir das Mittagessen serviert. Danach hieß es wieder Koffer packen und umziehen für's Achtelfinale. Die Anspannung war da....schließlich geht es gegen England und nicht irgendeinen Gegner.

Jose Meneses (Sicherheit) und ich im offiziellen Betreueroutfit von STRENESSE bereit zur Fahrt ins Stadion. Die Mannschaft ist zu der Zeit noch in der Mannschaftsitzung gewesen. Letzte Motivation von Jogi Löw.

Ein paar Eindrücke von der Fahrt ins Stadion. Deutsche Fans säumen den Weg, Helikopter am Himmel und Pferd auf dem Boden zum Schutz. Das Stadion? Na ja ging so...nichts im Vergleich zum Soccer City Stadion...aber es kann ja nicht jedes Stadion so umwerfend sein. Dafür war die Stimmung auch hier geradezu sensationell. Die Fangesänge haben sogar den Vuvuzela-Lärm überboten. Englische und deutsche Fans in einem Block, friedlich nebeneinander...wie oft hat es sowas schon gegeben?






Geschafft! 4:1 gewonnen. Es gab schon einige gute Spiele, aber das, was die Jungs heute abgeliefert haben, war sensationell und eine grandiose Leistung gegen erfahrene Engländer. Nach dem Anschlusstreffer gab es im kompletten Team eine kritische Phase....auch bei mir. Und die Möglichkeit der Engländer zum 2:2 wollen wir lieber gar nicht erst erwähnen. Schwamm drüber. Aber was mir an dieser Mannschaft am meisten imponiert: sie bleiben alle auf dem Boden. Da wird eine Fußball-Macht wie England klar geschlagen und das Team bleibt weiterhin hochkonzentriert. Das gibt ein großartiges Siegermenü!


Abreise aus Bloem. Am Abend gab's wieder "Schnitzel mit Pommes" zur Belohnung. Wunderbar! Darauf freuen wir uns alle...lasst uns noch viele Schnitzel machen... ;-)

Argentinien wartet. Die wissen ja noch gar nicht, dass wir sie im Test vor der WM in München bei der knappen Niederlage nur einschläfern wollten. ;-) Jetzt geht's richtig los und wir freuen uns alle auf noch viel mehr als nur 1 Spiel.
Drückt uns alle die Daumen.
Herzlichst
Ihr Holger Stromberg














